„Künstler“ vertreiben Hafencity-Bewohner

Am Freitag den 3. Juni spielte Hamburgs Agitpop-Kollektiv Schwabinggrad Ballett, aus dessen Debatten die Idee zum Not In Our Name-Manifest entstanden war, auf den Marco-Polo-Terrassen in Hamburgs neuem Premium-Stadtteil Hafencity. Auf dem Programm stand die Gentrifizierungs-Oper BUSINESS PUNK CITY. Es war ein herrlicher Sommertag, die Anwohner_innen waren per Postwurf informiert und die Fassade der umliegenden Landmark-Architekturen warfen ein beeindruckendes Echo auf uns zurück. Wir fühlten uns ein wenig wie auf einem fremden Planeten, bemühten uns aber aufrichtig, die Aussicht zu genießen und das Publikum zu unterhalten. Anderntags landete folgende Hatemail im elektronischen Briefkasten von Kampnagel, die die Veranstaltung ausgerichtet hatten:

Ton und Inhalt der Email geben Anlass zu der Befürchtung, dass sich mitten in der Hamburger Innenstadt, nur 15 Gehminuten vom Michel entfernt, eine Parallelgesellschaft gebildet hat. Wir fragen: Ist es wohl möglich, dass in der Hafencity eine kleine, homogene Gemeinschaft nach ihren eigenen Normen und Riten lebt und sich gegenüber der Außenwelt abschottet? Dass hier, unbemerkt von der Öffentlichkeit,  fundamentalistische Kreise an Boden gewinnen, die sich für unsere christlich-abendländischen Kultur wesentlichen Werten wie Toleranz und Vielfalt rundheraus verweigern? Wir sollten wachsam sein!

P.S. Gerechterweise muss man erwähnen, dass sich auch ein freundliches Anwohnerpärchen einfand, welches sich für den Auftritt nett bedankt und dafür plädiert hat, dass solche Sachen doch öfters mal stattfinden könnten. Also: Nicht alle Hafencity-Bewohner sind Fundamentalisten. Man muss differenzieren.


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