Offene Gärten für offene Anwohner: Impressionen vom Klassenausflug.

Das Kollegium der Schule Mendelssohnstraße hatte heute seine diesjährige Konferenz zur Vorbereitung auf die Schulreform. Für alle Schüler fiel der Unterricht aus. Wie auch im letzten Jahr haben wir dies genutzt, den Schülern einen Klassenausflug in die Kleingärten anzubieten. Selbstverständlich freiwillig, da keine Schulpflicht bestand. Die Eltern waren nachmittags eingeladen, auf Kaffee und Kuchen vorbei zu kommen.

Da die meisten Eltern berufstätig sind, wurde das Angebot von den meinsten herzlich gern angenommen. So haben wir mit 14 Kindern und vier Erwachsenen unseren Ausflug in die Gärten unternommen. Unsere direkten Gartennachbarn waren wieder so lieb, ihren Garten inkl. Kletter-Zierkirsche zur Verfügung zu stellen. So hatten wir zwei Gärten, in denen die Kinder spielen, toben, klettern, malen, lachen, streiten und staunen konnten.

Im Juni zeigen sich die Gärten von ihrer absoluten Sonnenseite: überall wächst, blüht und grünt alles mögliche. Hinter unserer Laube nistet ein Rotkehlchen-Pärchen, das sich direkt neben der Toilettentür einen Brutplatz gebaut hat. Mitunter werden Toilettenbesucher von wütenden Rotkehlchen attaktiert, die bis auf wenige Zentimeter an den Kopf heranflattern und einen ziemlichen Schrecken einjagen können. Meistens sind sie aber dankbar für alle Krümel, die beim Essen herabfallen und kommen bis auf einen Meter heran. Die Kinder waren beindruckt...

Jung trifft auf Alt

Einige Kinder hatten schnell den kleinen Wiesenstreifen in der Nachbarschaft zwischen unserer und der Nachbarkolonie entdeckt und diesen spontan in einen Fußballplatz umfunktioniert. Es gab Spielfreude, Spaß, Getobe und jede Menge Lärm. So dauerte es nicht lange, bis drei, vier alteingesessene Kleingärtner die Kinder in strengem Ton belehrten, dass dies kein Spielplatz und die Weide kein Kletterbaum ist. Unglücklicherweise war dies gegen 13:30 Uhr - einer Zeit, in der die ältere Generation ihre verbrieften Rechte auf Mittagsruhe für sich geltend macht.

Aber Ist das wirklich so - die Gärten sind kein Spielplatz? Sicherlich nicht während der Mittagsruhe... Aber außerhalb?
Wie ist das mit dem vielzitierten öffentlichen Grün?

Ein Plädoyer für gegenseitige Toleranz

Ich wollte den Kindern beistehen und hatte mich zunächst mit dem Vorwurf auseinander zu setzen, wir würden die Kinder außerhalb der eigenen Gärten spielen lassen um selbst unsere Ruhe zu haben. Ok - das muss man nicht kommentieren. Ein älterer Gärtner - klassischer Typ "alter Sack" - schlug gleich vor, "den Peterwagen zu rufen". MIt den anderen dreien ließ sich aber gut reden.

Nachdem sich die Gemüter etwas beruhigt hatten, konnte ich den Hintergrund unseres Ausflugs erläutern. Im allerweitesten Sinne stand unser Besuch schließlich auch in Zusammenhang mit dem Erhalt unserer Gärten. Immerhin handelt es sich bei den Gärten um öffentliches Grün. Spielen und Kinderlärm gehört - zumindest außerhalb der Mittagsruhe - auf jeden Fall dazu. Hier müssen die Kleingärtner der älteren Generation sicherlich umdenken. Bei Kleingärten handelt es sich eben nicht um öffentlich subventionierte Privat-Idylle mit drei Meter hohen Hecken, hinter denen die Privatspäre geschützt bleibt. Kleingärten sind öffentliches Grün, das auch Nichtkleingärtner - Besucher, Jogger und Spaziergänger - Erholungswert haben soll.

Umgekehrt haben die Älteren aber selbstverständlich ihren Anspruch auf Ruhe während der Mittagszeit. Hier sind die Jüngeren gefordert Rücksicht zu üben.
Es war nicht ganz leicht, 14 aufgeweckte Kinder dazu zu bringen, in den beiden Gärten zu bleiben und nicht zu schreien. Irgendwie haben wir es aber hinbekommen und es war ein schöner Tag...

Wo alt und jung aufeinander treffen liegt eine Chance für Toleranz und gegenseitiges Verständnis.
Was im gesamtgesellschaftlichen Großen funktionieren soll, kann nur klappen, wenn es auch im Kleinen geprobt und gelernt wird.

Danke

Einen herzlichen Dank den Eltern, die mitgeholfen haben, die "Horde zu bändigen". Wir hatten wieder viel zu viel zum Grillen... Es gab jede Menge Kuchen und es war sehr schön, mit den Eltern, die nachmittags zum Kaffee kamen, klönen zu können.

So werden wir wohl auch im nächsten Jahr versuchen, die Kleingärten zu retten und mit den Kindern einen Ausflug in die Gärten unternehmen. Zwei Eltern haben sich schon erkundigt, wie man zu einem Kleingarten kommt...

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