Aus dem Wunsch heraus Freiräume zu schaffen, die alte Tradition der Nöldekestraße 19 zu bewahren, sie vor dem Verfall zu retten, und sie wieder kulturell und sozial nutzbar zu machen, hat sich dieses Wochenende die Initiative „JA zur NÖ“ gegründet. Es soll Raum geschaffen werden, für Träume, kreative Selbstverwirklichung, politische Diskurse, praktische Selbsthilfegruppen und ein soziales Miteinander.
Seit sieben Jahren bringen wir mit dem Umsonst und Draußen-Festival „Keine Knete – trotzdem Fete“ ein Stück lebendige Utopie und gelebte Solidarität nach Harburg. Selbstorganisiert und unkommerziell. Wir nutzen die Freilichtbühne im Harburger Stadtpark, um unseren BesucherInnen die Teilnahme an verschiedensten Formen der Kunst und Kultur zu ermöglichen – ohne Eintritt zu verlangen oder uns persönlich daran zu bereichern. Das Programm besteht unter anderem aus vielfältiger Livemusik, DJs, einem Poetry Slam, Theater, Graffiti, Malerei und skulpturaler Kunst, Infoständen von Projekten denen wir nahestehen, einem Kinderfest, veganem Essen und Getränkeständen.
Angefangen mit einer Hand voll Menschen, engagieren sich bei der Planung und Umsetzung des Festivals und weiteren Veranstaltungen inzwischen über 60 Einzelpersonen und verschiedenste Gruppen politischer und kultureller Natur – sowohl aus Harburg und dem angrenzenden Landkreis, als auch aus vielen anderen Stadtteilen Hamburgs. Die Größenordnung die das Fest erreicht hatte, erforderte die Gründung des Vereins KKtF e.V., wodurch sich unsere freie Struktur jedoch nicht geändert hat. Obwohl wir so viele unterschiedliche Menschen sind, treffen wir alle Entscheidungen nach wie vor im Konsens. Uns verbindet der Wunsch Orte zu schaffen, in denen sich Menschen kennenlernen und sich frei von Diskriminierung, Konsumzwängen und sexistischen oder rassistischen Sprüchen bewegen und kreativ verwirklichen können.
Dieses lose, selbstorganisierte Kollektiv von Einzelpersonen hatte geplant, am 8. Oktober 2011 das leerstehende, ehemalige FZ Nöldekestraße in Harburg zu neuem Leben zu erwecken und mit Live Musik und vielfältigen Ausstellungen zu bespielen. Diesen Rahmen wollten wir nutzen, um auf den Leerstand und mangelnde Freiräume für Kunst, Kultur und politische Arbeit in Harburg aufmerksam zu machen. Die Historie des Hauses empfinden wir als wertvoll und wichtig für die Harburger Kulturgeschichte.
1907 wurde das Gebäude im moorigen Gelände auf 250 Pfählen gebaut. Zunächst als „Margaretenhort“, benannt nach der Harburgerin Margarete Wiegels, welche den Arbeiterinnen der anliegenden Jutespinnerei und den Phoenixwerken das Haus als soziale Einrichtung spendete, um deren Kinder ganztägig zu betreuen. Während der Kriegsjahre diente es zudem als Unterbringung für Flüchtlinge.
1972 kamen unzufriedene Harburger Schulsprecher und Vertreter verschiedener Jugendorganisationen auf die Idee, in Harburg eine Einrichtung für Jugendliche zu schaffen. 1975 gründete sich der Verein „Freizeitzentrum Hamburg-Harburg e.V.“, der 1976 in das Gebäude der Nöldekestraße 19 zog. Das FZ Nöldekestraße war damit ins Leben gerufen worden.
Ganz im Zuge der Zeit setzte man damals vor allem auf basisdemokratische Selbstorganisation und schuf einen Ort nicht nur für Jugendliche. Das liebevoll „FZ Nö“ genannte Freizeitzentrum wurde ein kreativer Ort für Jung und Alt, ein Ort zum Wohlfühlen, ein Hafen für viele Selbsthilfegruppen, ein Forum um sich auszuprobieren, ein spannender Ort mit nicht alltäglicher Kultur. Besonders die Konzerte hatten legendären Charakter: So traten zum Beispiel im Jahr 1984 die "Toten Hosen" auf, das Konzert fand sogar Eingang in deren Band-Biografie "Bis zum Bitteren Ende" - als der einzige Club, in dem man bei der ersten Deutschland-Tournee nicht um eine angemessene Gage betrogen wurde.
In den 80ern wechselten viele Vereinsmitglieder in den neu erbauten „Rieckhof“, der verbliebene Rest gründete einen neuen Verein und hielt an dem Haus an der Nöldekestraße fest. Im Juni 2010 zog der „Nöldekestraße e.V.“ schließlich auch aus und bezog neue Räume im neu gebauten "Feuervogel - Bürgerzentrum Phoenix" im benachbarten Phoenix-Viertel.
Seit einem Jahr steht das Haus nun leer und ist dem Verfall ausgesetzt. Ganz im Sinne der Vorstellungen vorangegangener Nutzer wollten wir für das Wochenende in das Haus in der Nöldekestraße einziehen und uns entfalten.
Eine schöne Idee, der mit allen zur Verfügung stehenden Kräften nachgegangen wurde. Wie diese Kräfte nach und nach gegängelt wurden, lässt sich an folgendem Gedächtnisprotokoll nachvollziehen:
Freitag am 9.9. meldeten wir uns das erste mal bei dem Fachamt Sozialraummanagement. Die zuständige Sachbearbeiterin war von der Idee einer durch den KKtF e.V. organisierten Party angetan und verwies uns für Weiteres an die Sprinkenhof AG.
Es fand ein freundliches Gespräch in der Woche vom 10. bis 17.9. mit dem dort zuständigen Hr. Biegemann statt, indem er sich ebenfalls für unsere Ideen begeistern ließ. Alles wurde ein erstes mal mündlich abgewogen, Lautstärke, Zustand des Hauses und Weiteres. Hr. Biegemann fügte an, dass da das Gebäude vorher ein Freizeitzentrum war in dem es Veranstaltungen gab, es keine Probleme geben sollte. Auf unsere Fragen: Gibt es Wasser? Gibt es Strom? Wann kriegen wir denn Schlüssel? Was gibt es für uns zu tun? Gibt es noch Gutachten die wir brauchen? reagierte er positiv und erschien so, als wären sie zu klären.
Da die grundsätzlichen Dinge somit für uns geklärt schienen, fragten wir ob wir mit der Planung beginnen und die Räumlichkeiten besichtigen könnten, damit wir eine Idee von der Größe der Veranstaltung bekommen konnten. Wir wurden an den Hausmeister der Sprinkenhof AG verwiesen, Herr Kuschel, bei dem wir uns umgehenst meldeten. Da Herr Kuschel nur in der darauffolgenden Woche Zeit hatte, und somit auch für die Übergabe nicht zu erreichen gewesen wäre, wollte dies Herr Biegemann übernehmen (Wasser etc. anstellen) wäre es dazu gekommen. Wir verabredeten uns mit Herrn Kuschel für den 20. September und inspizierten mit ihm gemeinsam die Nöldekestraße. Da wir einen Sachverständigen, einen gelernten Tischler mit langjähriger Erfahrung im Sanierungsbereich bei der Begehung vor Ort hatten, bekamen wir einen Eindruck der oberflächlichen Bausubstanz des Gebäudes.
Hr. Biegemann sah das größte Problem im Alkoholkonsum der Gäste, wodurch Beschädigungen am Haus entstehen könnten, da das Haus seit es leer steht eh stets von Jugendlichen attackiert werden würde, weshalb auch die Fenster verbarrikadiert seien.
Es wurde ihm durch uns versichert, dass wir auf unseren Veranstaltungen noch nie Probleme mit unseren Gästen hatten. Dies könne er auch bei der Behörde erfragen und er schien zuversichtlich, dass wir Recht behalten könnten.
Es wurde so verblieben, dass wir ein kurzes Konzept schreiben sollten, womit dem Vorstand das mündlich Besprochene präsentiert werden könnte.
Ein Konzept welches die wichtigsten Punkte beinhaltete wurde verfasst und umgehend an die Sprinkenhof AG gesandt.
In einem zweiten Gespräch in der darauf folgenden Woche, teilte uns Hr. Biegemann mit, dass der Vorstand keine Bedenken geäußert hätte. Lediglich wurden wir um ein ausführlicheres Konzept gebeten. Auch dieses fertigten wir an. Zu diesem Zeitpunkt war Hr. Biegemann persönlich noch überzeugt von der problemlosen Durchführbarkeit des Unterfangens.
Er sagte zwar, dass es gut für uns aussehe, er aber nichts versprechen könne. Wir sagten ihm bereits in diesem frühen Gespräch, dass wir nun mit der konkreten Planung beginnen würden und den KünstlerInnen und Bands konkreter zusagen würden. Für uns als KKtF e.V. war dies nicht das erste mal, dass wir eine Veranstaltung planten und die endgültige Zusage erst kurzfristig eintraf. Er machte uns Hoffnungen, dass wir eine endgültige Entscheidung bis zum 25.9. erwarten können.
Dem war nicht so! Bis in die darauf folgende Woche hinein wurden wir vertröstet. Der Vorstand sei zu beschäftigt, erklärte uns die junge Dame im Vorzimmer von Herrn Biegemann.
Bereits zu diesem Zeitpunkt meldeten wir uns parallel bei Frau Flohr vom Zentrum für Wirtschaftsförderung, Bauen und Umwelt (Veranstaltungen und Jahrmärkte), mit dem wir seit Jahren unsere Lizenzen behandeln und auch für diese Veranstaltung alles Erforderliche
einholen wollten.
Wir entschuldigten uns für die Kurzfristigkeit des Antrages und erklärten, dass wir noch immer auf eine Zusage der Sprinkenhof AG warteten. Wir baten auch darum, die Getränkelizenz weitestgehend vorzubereiten und uns wurde versprochen, zudem in der Behörde nachzufragen, ob noch weitere Genehmigungen einzuholen wären. Trotz des Zeitdrucks würde sich darum gekümmert werden. Auch hier wurde angegeben, dass der Durchführung einer Veranstaltung, aufgrund der zeitlich nahe zurückliegenden Nutzung des Gebäudes, nichts im Wege stehen würde. Schließlich hatten vor einem Jahr dort noch Veranstaltungen stattgefunden und es dürften keine baulichen Mängel etc. vorliegen.
Das Besprochene wurde am 30.9. erneut dem Vorzimmer von Herrn Biegemann mitgeteilt. Es wurde darum gebeten unsere Fortschritte wie folgt zu notieren:
1. mit der Getränkelizenz sei soweit alles auf den Weg gebracht, Frau Flohr sah kein Problem darin, die Lizenz rechtzeitig zu erteilen.
2. wir informierten Hr. Biegemann darüber, dass wir ab sofort Flyer an unsere Freunde verteilen würden, da wir dieses Wochenende nutzen müssten, um überhaupt Publikum zu erreichen. Dieses wurde auch dem Fachamt Sozialraummanagement mündlich mitgeteilt.
3. Er wurde erneut darauf hingewiesen, dass wir schon viel Zeit und Energie in die Veranstaltung gesteckt haben, dass das Programm steht und dass wir darüber auch die entsprechenden Behörden informiert haben.
Zu diesem Zeitpunkt hatten wir feste Zusagen von live Acts wie Still in Search und Denmantau. Wir hatten Künstler mobilisiert wie Peter Sempel und Papergirl aus dem Gängeviertel. Wir hatten AGs gegründet, die sich um Dekoration der einzelnen Räume, sowie die Koordination der Ausstellungen, Bars und Küchen kümmern wollten. Wir hatten Zuspruch von bekannten Sympathisanten der Nöldekestraße, wie Kettcar Sänger Marcus Wiebusch und Heinz Strunk erhalten, die beide eine musikalische Vergangenheit in dem geschichtsträchtigen Freizeitzentrum verband. Wir waren bester Dinge und warteten weiter auf die – in unseren Augen nur noch rein formale – Zusage des Vorstands.
Doch wieder wurden wir vertröstet, denn am 4.10. erreichte uns ein Anruf von Hr. Biegemann in dem er uns mitteilte, dass er schwer beschäftigt sei. Nach ausgiebiger Erläuterung unseres Programms erhielten wir den Eindruck, dass er gewillt war, uns zwanzig Minuten seiner Zeit zu opfern, um uns einen Nutzungsvertrag unterschreiben zu lassen, sowie das Wasser anzustellen und uns den Schlüssel zu übergeben. Um diesen Eindruck zu bestärken, meldeten wir uns erneut bei dem Fachamt Sozialraummanagement, da wir aus vorangegangenen Gesprächen den Eindruck gewonnen hatten (und nebenbei auch immer noch haben), dass diese unseren Ideen wohlgesonnen sei. Sie versprach uns, noch einmal bei Hr. Biegemann für uns zu sprechen.
Am 5.10. erreichte uns eine Mail von dem Fachamt Sozialraummanagement, aus welcher hervorging, dass der Vorstand der Sprinkenhof AG definitiv über unser Anliegen entscheiden müsse.
Mündlich teilte sie uns in einem darauf folgenden Telefonat mit, dass Hr. Biegemann in Kenntnis gesetzt wurde, dass die Kulturbehörde die Veranstaltung begrüße und sie alles getan hätte was sie tun konnte.
Später am Tage kontaktierte uns erneut das Fachamt Sozialraummanagement, um uns mitzuteilen, dass nach einer Beratung des Vorstandes am Vormittag des 6.10. über die Veranstaltung entschieden werde würde.
Am Abend erreichte uns eine Email von Frau Ulrike Kräuter im Auftrag des Zentrums für Wirtschaftsförderung, Bauen und Umwelt (Bauprüfung), aus der hervor ging, dass für die Nöldekestraße keine Nutzungsprüfung vorläge.
Am nächsten Tag um 8:30 rief uns Frau Flohr an und setzte uns in Kenntnis, dass mit der Bauprüfung gesprochen wurde und dass ein Sondernutzungsantrag nicht mehr in die Wege geleitet werden könnte, dies liegt darin begründet, dass wir von dem Fachamt Sozialraummanagement nicht rechtzeitig an die entsprechenden Stellen verwiesen worden waren. Umgehend wurde von uns die Bauprüfung kontaktiert, welche uns informierte (übrigens 2 Tage vor der Veranstaltung), dass die Fluchtwege von einem Experten abgenommen werden müssten. Einen solchen könnte sie uns nicht bereit stellen, wir könnten uns aber gerne eigenständig um einen Architekten bemühen, dieser sei von Seiten der Baubehörde notwendig.
Mit diesen Informationen wandten wir uns erneut an Hr. Biegemann und baten ihn den Vorstand in Kenntnis zu setzen, dass wir uns um einen Architekten kümmern, der die Fluchtwege einzeichnen wird. Hr. Biegemann äußerte seine Bedenken bezüglich unserer Facebook-Veranstaltungsseite, womit wir – genau wie mit den abgesprochenen Flyern – wie es üblich ist auf unsere Veranstaltung aufmerksam machen wollten. Er äußerte seinen Unmut über unser Motto „NÖ zu Leerstand“, dem er ein übertrieben kritisches Potenzial beimaß und befürchtete zudem einen „Thessa-Effekt“. Um ihm entgegen zu kommen, löschten wir die Seite umgehend. Daraufhin schickte uns Hr. Biegemann die Baupläne des Gebäudes, damit wir weiter mit den Architekten arbeiten könnten.
Hierbei ist anzumerken, dass wir uns bereits am ersten Tag unseres geplanten Aufbaus befanden, an dem wir uns um 10 Uhr morgens mit rund einem Dutzend Helfer in der Nöldekestraße eingefunden hatten. Statt aufzubauen waren wir nun damit beschäftigt unzählige Architekten zu kontaktieren.
Der gefühlte zehnte Anruf ergab, dass wir uns besser an eine Brandschutzfirma hätten wenden sollten, da die auf diesem Gebiet kompetenter seien.
Wir bekamen eine Telefonnummer und wurden daraufhin beraten, dass bei einem Freizeitzentrum bereits alle notwendigen Pläne und Gutachten vorliegen müssten, vorausgesetzt sie wurden jemals beantragt.
Im Gegensatz zu den vorigen Informationen sagte er uns, dass ein solches Gutachten nicht verjähren kann, es würde lediglich regelmäßig überprüft.
Der Brandschutzgutachter erklärte sich bereit, wenn notwendig eine Begehung der Nöldekestraße vorzunehmen – sah darin jedoch keine Notwendigkeit und riet uns, uns stattdessen auf die Suche nach dem Gutachten zu machen, dass es seiner Meinung nach zwingend geben müsste.
Da uns die Sachbearbeiterin des Zentrum für Wirtschaftsförderung, Bauen und Umwelt mitteilte (Frau Flor) gegen Mittag das Büro zu verlassen und am nächsten Tag frei zu haben, klärten wir um kurz nach 12, dass sie eine andere Kollegin mit der Vergabe der Getränkelizenz betrauen soll, sollte sich diese auf den nächsten Tag verzögern. Auf diese Weise wollten wir uns absichern, dass es letztendlich nicht daran scheitert.
Daraufhin teilten wir der Bauprüfung (Ulrike Kräuter) unsere neu gewonnen Erkenntnisse über Brandschutzverordnungen mit. Wir erwähnten, dass wir einen Brandschutzgutachter gefunden hätten, der bereit wäre das Gebäude am nächsten Morgen abzunehmen. Ebenfalls teilten wir mit, dass bei der Brandschutzfirma große Verwunderung darüber bestand, dass keine Pläne über die Fluchtwege etc. vorlägen. Wir setzten sie darüber in Kenntnis, dass der Brandschutzbeauftragte uns darauf hinwies, dass eine Feier unter 200 Menschen auch als Privatfeier angemeldet werden könnte. Diese Möglichkeit wurde diskutiert und eine Besprechung dieser Möglichkeit mit Hr. Biegemann wurde vereinbart.
Als nächstes wurde von uns erneut Hr. Biegemann angerufen. Die Tagung des Vorstands hatte bis dahin noch nicht stattgefunden. Wir befinden uns, zur Erinnerung, bereits am Nachmittag des ersten geplanten Aufbautages. Auch er bekam von uns eine Einweisung in Brandschutzbestimmungen und auch Er wurde darüber informiert, dass der Brandschutzgutachter am nächsten Vormittag die Abnahme durchführen würde. Wir verblieben so, dass wir uns am nächsten Tag frühst möglichst mit ihm in Verbindung setzen. Auch die Möglichkeit einer Privatfeier schloss Hr. Biegemann konsequent aus. Dies begründete er mit der von uns erstellten Facebookseite. Das wir diese Seite bereits gelöscht hatten und er über das Verteilen von Flyern informiert war, war dabei kein Argument.
Daraufhin suchten wir den Mopsberg e.V. auf, welcher (damals noch unter anderem Namen) das frühere FZ Nöldekestraße betreute. Da nach dem Umzug in den Feuervogel das Baugutachten nicht mehr auffindbar war, wurde für uns die Bestätigung der letzten Abnahme des Gebäudes kopiert. Die Existenz dieser Bestätigung von 2006 impliziert für uns also das Vorhandensein eines Baugutachtens, welches bekanntlich die letzte Hürde zur Genehmigung unserer Veranstaltung darstellt. (Inzwischen wurde uns von dem, von uns kontaktierten Brandgutachter unsere Annahme noch einmal bestätigt. Die Fluchtpläne besitzen wir heute, am Abend des 07.Oktober ebenfalls.)
Wir fühlen uns hingehalten und hinausgezögert! Die Kulturbehörde sah selbst keine andere Alternative für eine weitere Veranstaltung im Rahmen der „SuedKultur Music Night“ in Harburg an dem besagten Abend als in der Nöldekestraße – schließlich stehen die zwei angrenzenden Gebäude ebenfalls leer und auf der anderen Straßenseite befinden sich nur Lagerhallen. Die Lage ist perfekt, von uns wurde ein vielseitiges Konzept ausgearbeitet, wir haben viel Arbeit und Herzblut in dieses Projekt gesteckt. Und da wir nicht wollen dass diese Energie die wir bereits aufgebracht haben einfach so verpufft, gründet sich ab sofort die Initiative „JA zu NÖ“.
Wir begrüßen die Vernetzung verschiedener Kulturschaffender aus Hamburgs Süden im
SuedKultur-Netzwerk und die Neueröffnung von „Marias Ballroom“ im Phoenix-Viertel. Mit Bedauern stellten wir aber fest, dass Institutionen wie der KKtF e.V. in seiner Wirkung als Kulturaktivisten derartig eingeschränkt werden, dass Orte wie das alte Café Leben in Heimfeld oder das Consortium schließen mussten.
Uns und vielen anderen Menschen reicht die Vielfalt an soziokulturellen Angeboten in Harburg und Umgebung nach wie vor nicht aus. Der soziale Austausch findet in Harburg viel zu wenig statt und der Stadtteil ist geprägt von rein konsum- und profitorientierten Orten. Wer aber Harburg etwas besser kennt wird wissen, dass es an kreativen Menschen, die sich gesellschaftlich und politisch einbringen wollen, nicht mangelt. Was fehlt sind Orte wo diese Menschen zusammenkommen können. Wir treffen uns seit vielen Jahren in den Räumen des „Alles wird schön“ e.V., einer der wenigen Orte wo dies überhaupt möglich ist. Die räumlichen Kapazitäten dort reichen inzwischen bei Weitem nicht mehr aus. Was besonders fehlt sind Probe- und Konzerträume.
Neben dem Festival und weiteren kulturellen Aktivitäten in Harburg haben wir auch schon oft die Möglichkeiten genutzt, die das Gängeviertel oder die Rote Flora für unsere Veranstaltungen bieten. Im Gegensatz dazu stört uns der oft schwerfällige und für uns mühselige behördliche Apparat in Harburg, den es bei der Genehmigung und Planung von innovativen Ideen zu überwinden gilt. Wir haben über die Jahre viele Erfahrungen gesammelt und sind es Leid uns ständig mit den Behörden auseinandersetzen zu müssen. Was uns fehlt sind Freiräume die wir selbst gestalten können.
Wir sind uns sowohl der kapitalistischen Verwertbarkeitslogik von Kunst und Kultur als auch über die Rolle Harburgs als Teil des Leitbildes vom „Sprung über die Elbe“ bewusst. Uns ist klar, dass wir mit unserem Wirken ungewollt Teil der fortschreitenden Gentrifizierung im Hamburger Süden sind, welche sich in Wilhelmsburg bereits durch gestiegene Mieten bemerkbar macht und sich in Harburg durch das Wirken der steg im Phoenix-Viertel erst langsam ankündigt.
Wir wollen mit unserem kulturellen Schaffen nicht dazu beitragen, dass die Mieten steigen und Menschen mit geringerem Einkommen aus ihrer Umgebung nach Außen verdrängt werden.
Wir wollen uns weder von der IBA noch von der Stadt vereinnahmen lassen und sind Teil des „Recht auf Stadt“-Netzwerkes, welches sich gegen eine vorgeschriebene Stadtentwicklung von oben wehrt und für selbstverwaltete Freiräume eintritt.
Wir sagen NÖ zu inhaltslosem Einheitsbrei!
Wir sagen NÖ zu Gentrifidingsbums!
Wir sagen NÖ zu passiver Konsummentalität!
Wir sagen NÖ zur Stadtentwicklung von oben!
Wir sagen NÖ zu fest gefahrenen Verwaltungsstrukturen!
Wir sagen NÖ zu Leerstand!
Wir sagen JA zur NÖ!
Aus dem Wunsch heraus Freiräume zu schaffen, die alte Tradition der Nöldekestraße 19 zu bewahren, sie vor dem Verfall zu retten, und sie wieder kulturell und sozial nutzbar zu machen, hat sich dieses Wochenende die Initiative „JA zur NÖ“ gegründet.
Es soll Raum geschaffen werden, für Träume, kreative Selbstverwirklichung, politische Diskurse, praktische Selbsthilfegruppen und ein soziales Miteinander.
Der KKtF e.V. würde die Räume der Nöldekestraße gerne nutzen um Konzerte zu veranstalten, sich regelmäßig zu treffen und um Werkstätten für Dekorationen und sonstige Dinge, die das Festival benötigt, einzurichten. Wir brauchen zudem dringend Lagerräume.
Nicht nur wir als FestivalveranstalterInnen brauchen Räume, wir haben durch die Anfragen von Künstlern festgestellt, wie dringend Ausstellungsräume und Ateliers benötigt werden, besonders für angehende Künstler. Viele von uns und viele der neu dazugestoßenen UnterstützerInnen für diese Veranstaltung arbeiten im sozialen Bereich und könnten sich gut vorstellen, soziale Projekte ins Leben zu rufen. Beispielsweise Proberäume, Konzerte für junge Bands, Tonstudioaufnahmen, Bastelworkshops, Kochprojekte oder AnwohnerInnentreffs. Was genau in der Nöldekestraße entstehen könnte, müsste die Zeit mit sich bringen. Uns ist wichtig, dass wir uns frei und selbstverwaltet organisieren können. Die Gestaltung und Renovierung der Räume würde in der Hand der NutzerInnen liegen. Durch das regelmäßige Organisieren von Veranstaltungen sollte sich das Haus finanzieren können, da alle UnterstützerInnen sich unentgeltlich einbringen würden. Wir wollen die zuvor geschlossenen Türen öffnen und wollen alle interessierten Menschen einladen, Kunst und Kultur auch über das Wochenende hinaus teilen und mitgestalten zu können. Es wären weitere Konzerte und Ausstellungen geplant, die zeigen sollten, wie die Nöldekestraße wieder sinnvoll genutzt werden kann.
NÖ zu Leerstand – Leerstand zu NÖ
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