Offener Brief der Hamburger Geschichtswerkstätten
an
Herrn Bürgermeister Ahlhaus
Herrn Innensenator Vahldieck
Herrn Kultursenator Stuth
An die Fraktionsvorsitzenden der Bürgerschaftsparteien
An die Obleute im Innenausschuss der Hamburgischen Bürgerschaft
Sehr geehrte Damen und Herren,
das Plenum der Hamburger Geschichtswerkstätten hat sich auf seiner Zusammenkunft am 24. November 2010 eingehend mit dem Thema Hamburger Polizeimuseum beschäftigt. Die Zielsetzung, ein solches Museum zu schaffen, begrüßen wir, handelt es sich bei der Polizei doch um ein zentrales Instrument der Exekutive, aber auch um eine in gesellschaftspolitischer Hinsicht wichtige Institution, die im Alltag und in der „Geschichte“ eine bedeutende Rolle spielt(e).
Mit großer Sorge betrachten wir allerdings den Umstand, dass die Planungen für die sukzessive Eröffnung dieses Museums mehr oder weniger polizeiintern erfolgen. Wir halten dagegen einen öffentlichen Diskurs um eine solche Einrichtung für unabdingbar und befürworten daher auch ausdrücklich eine wissenschaftliche Begleitung, am besten in Form eines Beirats, der externe Kompetenz ebenso zusammenführt, wie gesellschaftlich relevante Kräfte.
Darüber hinaus nehmen wir mit Befremden nach den uns vorliegenden Unterlagen zur Kenntnis, dass ausgerechnet der Rolle der Polizei im Nationalsozialismus und insbesondere den in den besetzten Ländern mit der Verfolgung und Ermordung von Juden, Sinti und Roma befassten Polizeibataillonen kaum bzw. keine Aufmerksamkeit gewidmet wird. Dies aber kann in einer sich demokratisch verstehenden Polizei keinesfalls akzeptiert werden.
Im Übrigen erwarten wir bei der (selbst)kritischen Aufarbeitung und Präsentation der Hamburger Polizeigeschichte auch die Berücksichtigung gesellschaftspolitisch relevanter Konflikte, z.B. hinsichtlich der Rolle der Polizei beim Altonaer Blutsonntag 1932, der Bedeutung des rechtswidrigen „Hamburger Kessels“ 1986 und des „Hamburger Polizeiskandals“ 1994 im Zusammenhang mit Misshandlungen von angeblich dealenden Schwarzafrikanern.
Einer Einbeziehung der in verschiedenen Stadtteilen engagierten Geschichtswerkstätten und Stadtteilarchive in die weitere Aufarbeitung und Vermittlung der Hamburger Polizeigeschichte stehen wir im Übrigen positiv gegenüber.
Mit freundlichen Grüßen
i.A. Michael Joho
UnterzeichnerInnen:
Barmbek: Heimatmuseum und Geschichtswerkstatt Barmbek
Bergedorf: Kultur- & Geschichtskontor
Bramfeld: Stadtteilarchiv Bramfeld e.V.
Dulsberg: Geschichtsgruppe Dulsberg e.V.
Eimsbüttel: Galerie Morgenland/Geschichtswerkstatt Eimsbüttel
Eppendorf: Stadtteilarchiv Eppendorf e.V.
Fuhlsbüttel: Willi-Bredel-Gesellschaft Geschichtswerkstatt e.V.
Gängeviertel: Geschichtswerkstatt Gängeviertel e.V.
Hamm: Stadtteilarchiv Hamm
Harburg: Geschichtswerkstatt Harburg e.V.
Horn: Geschichtswerkstatt Horn e.V.
Ottensen: Stadtteilarchiv Ottensen e.V.
St. Georg: Geschichtswerkstatt St. Georg e.V.
St. Pauli: St. Pauli Archiv e.V.
Wilhelmsburg: Geschichtswerkstatt Wilhelmsburg
Winterhude/Jarrestadt: Jarrestadt-Archiv
an
Herrn Bürgermeister Ahlhaus
Herrn Innensenator Vahldieck
Herrn Kultursenator Stuth
An die Fraktionsvorsitzenden der Bürgerschaftsparteien
An die Obleute im Innenausschuss der Hamburgischen Bürgerschaft
Sehr geehrte Damen und Herren,
das Plenum der Hamburger Geschichtswerkstätten hat sich auf seiner Zusammenkunft am 24. November 2010 eingehend mit dem Thema Hamburger Polizeimuseum beschäftigt. Die Zielsetzung, ein solches Museum zu schaffen, begrüßen wir, handelt es sich bei der Polizei doch um ein zentrales Instrument der Exekutive, aber auch um eine in gesellschaftspolitischer Hinsicht wichtige Institution, die im Alltag und in der „Geschichte“ eine bedeutende Rolle spielt(e).
Mit großer Sorge betrachten wir allerdings den Umstand, dass die Planungen für die sukzessive Eröffnung dieses Museums mehr oder weniger polizeiintern erfolgen. Wir halten dagegen einen öffentlichen Diskurs um eine solche Einrichtung für unabdingbar und befürworten daher auch ausdrücklich eine wissenschaftliche Begleitung, am besten in Form eines Beirats, der externe Kompetenz ebenso zusammenführt, wie gesellschaftlich relevante Kräfte.
Darüber hinaus nehmen wir mit Befremden nach den uns vorliegenden Unterlagen zur Kenntnis, dass ausgerechnet der Rolle der Polizei im Nationalsozialismus und insbesondere den in den besetzten Ländern mit der Verfolgung und Ermordung von Juden, Sinti und Roma befassten Polizeibataillonen kaum bzw. keine Aufmerksamkeit gewidmet wird. Dies aber kann in einer sich demokratisch verstehenden Polizei keinesfalls akzeptiert werden.
Im Übrigen erwarten wir bei der (selbst)kritischen Aufarbeitung und Präsentation der Hamburger Polizeigeschichte auch die Berücksichtigung gesellschaftspolitisch relevanter Konflikte, z.B. hinsichtlich der Rolle der Polizei beim Altonaer Blutsonntag 1932, der Bedeutung des rechtswidrigen „Hamburger Kessels“ 1986 und des „Hamburger Polizeiskandals“ 1994 im Zusammenhang mit Misshandlungen von angeblich dealenden Schwarzafrikanern.
Einer Einbeziehung der in verschiedenen Stadtteilen engagierten Geschichtswerkstätten und Stadtteilarchive in die weitere Aufarbeitung und Vermittlung der Hamburger Polizeigeschichte stehen wir im Übrigen positiv gegenüber.
Mit freundlichen Grüßen
i.A. Michael Joho
UnterzeichnerInnen:
Barmbek: Heimatmuseum und Geschichtswerkstatt Barmbek
Bergedorf: Kultur- & Geschichtskontor
Bramfeld: Stadtteilarchiv Bramfeld e.V.
Dulsberg: Geschichtsgruppe Dulsberg e.V.
Eimsbüttel: Galerie Morgenland/Geschichtswerkstatt Eimsbüttel
Eppendorf: Stadtteilarchiv Eppendorf e.V.
Fuhlsbüttel: Willi-Bredel-Gesellschaft Geschichtswerkstatt e.V.
Gängeviertel: Geschichtswerkstatt Gängeviertel e.V.
Hamm: Stadtteilarchiv Hamm
Harburg: Geschichtswerkstatt Harburg e.V.
Horn: Geschichtswerkstatt Horn e.V.
Ottensen: Stadtteilarchiv Ottensen e.V.
St. Georg: Geschichtswerkstatt St. Georg e.V.
St. Pauli: St. Pauli Archiv e.V.
Wilhelmsburg: Geschichtswerkstatt Wilhelmsburg
Winterhude/Jarrestadt: Jarrestadt-Archiv
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|

Kommentar hinzufügen