Die Berichterstattung über den Castor-Transport ließ sich am besten und schnellsten via Internet über den Micro-Blogging-Dienst "Twitter" anhand sogenannter "Hashtags" wie z.B. "#castor" verfolgen. Mitunter kam man mit Lesen gar nicht mehr hinterher.
Dabei bin ich über den Beitrag "Die Legende vom Salzstock" von Andreas Maier aus dem Jahr 2008 in der "Zeit" gestoßen. Beim Lesen bin ich buchstäblich "vom Glauben abgefallen". Um es gleich vorweg zu nehmen hier die Quizfrage: Werden die Castoren unterirdisch oder überirdisch gelagert? Antwort: Bis sie in 30 oder 40 Jahren soweit abgekühlt sind, werden sie oberirdisch in einer Art Blechhütte gelagert. Das Zwischenlager ist kein Salzstock, es ist eine Hütte mitten im Wald in der Nähe von Gorleben! Es existiert zur Zeit noch kein Verfahren, wie die Castoren in 30 Jahren geöffnet werden sollen, damit der Müll in die Pollux-Behälter verfrachtet werden kann!
Die Salzstock-LügeAuszüge aus dem Artikel "Die Legende vom Salzstock":
Die Castoren werden die nächsten 30 oder 40 Jahre im Zwischenlager stehen (also in der grünen Halle neben der Straße). Dort sollen sie ein wenig auskühlen, und in frühestens circa 30 Jahren sollen sie geöffnet und der Müll soll in kleinere „Pollux“-Behälter (sic! Deshalb also „Castor“!) umgebettet werden. Diese kleinen Pollux-Behälter sollen dann in den einen Kilometer entfernten Salzstock hinabgelassen werden, natürlich nur in dem Fall, dass bis dahin der Salzstock als Endlager für Atommüll genehmigt worden ist. Der Salzstock selbst wird lediglich dahingehend erforscht, ob er sich als Endlager eignet (im Augenblick gibt es ein Erforschungsmoratorium, aber das nur am Rande).
und weiter:
Die Castoren stehen überirdisch in der grünen Kühlhalle. Es befindet sich kein Castor im Salzstock. Es gibt zurzeit nicht einmal ein Verfahren, wie die Castoren in 30 Jahren geöffnet werden sollen, damit der Müll in die Pollux-Behälter wandert. Dieses Verfahren wird nun in den nächsten Jahrzehnten erst entwickelt werden müssen [...] und das geschieht in einer weiteren Halle auf dem Gelände des Zwischenlagers, in der so genannten PKA – Pilotkonditionierungsanlage. Sie können keine tonnenschweren Castoren in den Stock hinunterlassen, sie brauchen leichtere Behälter.
370 weitere Castor-Behälter durch Laufzeitverlängerung für AKWsDerzeit erleben wir gerade im Doppelpack erst das Einknicken der Koalition vor der Atomlobby und dann das anschließende Durchsetzen der Atommüll-Transporte unter Aufbietung sämtlicher exekutiver Möglichkeiten und gegen der erklärten Willen großer Teile der Bevölkerung.
In der ARD hat sich der Bundesumweltminister Herr Dr. Norbert Röttgen hat sich in der ARD zu der Behauptung verstiegen, dass die Laufzeitverlängerung von bis zu 14 Jahren für Atomkraftwerke nichts mit der Frage der Endlagerung der radioaktiven Abfälle zu tun hat. Im Gegenteil wird uns die längere Laufzeit 370 zusätzliche Castor-Behälter mit hochradioaktiven Abfällen bescheren, wie die "Zeit" dokumentiert hat.
Castoren mit hochradioaktiven Abfälle mit einer Halbwertszeit von 24.000 Jahren, wie beim Plutonium-Isotop 239. Durch die Abstrahlung der Behälter hat ein Polizist, der sieben Stunden neben einem Castor-Behälter mitläuft, mehr vor dem zu schützendem Objekt zu befürchten, als vor gewaltbereiten Demonstranten. Wirft man ein Ei gegen einen Castor, wird es sofort zum Spiegelei, kurze Zeit später ist das Spiegelei schwarz. Als in den neunziger Jahren die ersten Eier gegen die Transporte geworfen wurden, hat man beim nächsten Mal eine Plane darüber geschlagen. Die Öffentlichkeit soll nach Möglichkeit nicht mitbekommen, wie heiß diese Container sind.
Stuttgart 21, Gorleben, Austieg aus dem AtomausstiegDie letzte Hoffnung liegt nun beim Bundespräsidenten Christian Wulff, das umstrittene Gesetz zur Verlängerung der AKW-Laufzeiten nicht zu unterzeichnen.
Ich frage mich, wie lange sich eine Regierung in einer Demokratie halten kann, die dermaßen offensichtlich Lobbypolitik für eine einflussreiche Minderheit betreibt und gegen große Teile der Bevölkerung anregiert. Ein weiteres Puzzlestück für Politikverdrossenheit.
Vielen Dank für die Courage zum zivilen Ungehorsam!An dieser Stelle möchte ich meinen tiefempfundenen Respekt für die vielen Demonstranten, Unterstützer und Bauern zum Ausdruck bringen. Ihr habt es geschafft, den Castor-Transport für die längste Zeit seit Bestehen dieser Transporte aufzuhalten.
- Demonstranten, die sich den "Arsch abgefroren" haben, von der Polizei verprügelt und mit Pfefferspray und Trainengas angegriffen wurden,
- Bauern, die Kreuzungen und Zufahrtswege mit ihren Traktoren versperrt und die ihre Herden auf den Gleisen haben weiden lassen und
- Unterstützer, die sich aufgrund Ihrer Aufrufe zum "Schottern", dem Abtragen von Steinen aus dem Gleisbett der Zuführung, mit staatsanwaltschaftlichen Repressionen auseinander zu setzen haben.
20.000 Polizeibeamte - zum Teil aus dem benachbarten Ausland - befanden sich auf Kosten der Allgemeinheit im Einsatz um eine Konzernpolitik gegen den Willen ihrer Bürger durchzuknüppeln.
Mehr Courage hätte ich mir von den Polizeibeamten gewünscht. Ich hätte mich über Gehorsamsverweigerung gefreut, anstatt Ihre Angst vor Demonstranten und Wut über den harten Einsatz an überwiegend gewaltlosen Demonstranten herausknüppeln.
Danke auch an die vielen Twitter-Berichterstatter, denen es sich zu folgen lohnt: @annnalist, @Anti_Atom_News, @antiatomkette, @csommer, @greenpeace_de, @Herr_Guenni, @tagesnotizen, @tazgezwitscher, @zeitonline_pol und viele andere...
Bildquelle: Flickr / Robin Wood e.V.
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|

Kommentar hinzufügen