"Über der A7 entstehen Wiesen, Wanderwege und Cafés". Die Hamburger Morgenpost hat heute einen Artikel zum Autobahndeckel veröffentlicht, der in seiner propagandistischen Oberflächlichkeit an Wochenschauberichte anmutet. Der Artikel zeigt die mit Architekten-Tools hübsch erstellten Illustrationen von Deckelwelten und zitiert die Senatorin der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU), Frau Anja Hajduk. Er schildert ohne jeden journalistischen Abstand ein heile-Welt-Szenario, das die derzeitige Situation rund um den A7-Autobahndeckel schlichtweg verleugnet.
500 Kleingärten sollen auf den Deckel umziehen. Außerdem werden mehrere lang gestreckte Wiesen mit Wanderwegen angelegt. Hier sollen die Hamburger aber nicht nur flanieren: Neben Cafés könnten auch Bolzplätze und Klettergerüste für die benachbarten Kita-Kinder entstehen.
Es wird ignoriert, dass
- zur Finanzierung von lediglich 30% der Mehrkosten des erweiterten Deckel 35 Hektar öffentlicher Grünflächen unwiderbringlich vernichtet werden sollen.
- auf dem Deckel lediglich 10 Hektar Neuflächen entstehen werden.
- der Landesbund für der Gartenfreunde diese Ausgleichsflächen auf dem Deckel nicht akzeptieren wird, da eine kleingärtnerische Nutzung - gutachterlich belegt - nicht möglich ist.
- die Trabrennbahn Bahrenfeld nicht verkauft werden kann, da die Hansestadt an langfristige Mietverträge mit der Betreiberin gebunden ist.
- bauliche Mehrkosten, Anwohnerklagen und ähnliches die reale finanzielle Belastung für den Hamburger Haushalt unkalkulierbar in die Höhe treiben werden.
Laut dem Artikel sollen auf dem Autobahndeckel nicht nur 500 Gärten Platz finden, sondern auch noch Wanderwege, Bolzplätze, Klettergerüste und Sportanlage. Rein rechnerisch benötigen 500 Kleingärten allein für sich schon mindestens 17,5 Hektar Fläche. Dass zum Schutz der empflindlichen Deckel-Folie Klettergerüste, Spielgeräte und normalwurzelnde Bäume auf dem Deckel nicht zugelassen sein werden, sollte auch der Morgenpost-Redaktion mit gerinem Recherche-Aufwand nachlesbar sein.
Vollständig ignoriert der Artikel jedoch den Ansatz des Hamburger Architiekten Sven-Erik Dethlefs, der gegenwärtig ein Konzept entwickelt, auf dem Deckel eine Gartenstadt Altona zu errichten, die als Null-Emissions-Zone nicht nur klimafreundlich sondern sogar kostenneutral Wohnraum direkt auf dem Deckel schafft.
Schöne heile Welt auf dem AutobahndeckelBetrachtet man diesen Beitrag in Zusammenhang mit der Veranstaltung "Bürgerdialog mit Anja Hajduk" von letztem Montag, auf der Wohnraum- gegen Grünflächen-Interessen ausgespielt werden sollen, dann fährt die BSU derzeit offenbar eine Propagande-Offensive für ihre Planungen. Dies verwundert nicht, wenn man sich anschaut, wie der BSU gerade die Fälle davonschwimmen. Immerhin hat es die Stadt gerade versäumt, sich den Zugriff auf die Bahrenfelder Trabrennbahn zu sichern.
Erstaunlich ist eher, wie unreflektiert sich die Morgenpost als Propaganda-Werkzeug der Behörde einspannen lässt. Leni Riefenstahl lässt grüßen...
Bei der Mopo darf - zumindestens werktags in der Zeit von 8 Uhr bis 20 Uhr - online diskutiert werden...
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